Eine Gründerzeitvilla in Wien, neu gedacht als vielschichtige Wohnwelt für eine musikliebende Familie – geprägt von Atmosphäre, Haltung und einer feinen Balance zwischen Repräsentation und Rückzug.
Die Wiener Klassik dient hier nicht als Zitat, sondern als leise erzählte Geschichte. Räume entfalten sich wie eine Komposition – klar strukturiert, harmonisch abgestimmt und mit einer spürbaren Ruhe, die sich durch das gesamte Haus zieht.
Im Zentrum steht die Bel Étage als Ort der Begegnung. Hier wird empfangen, gefeiert, musiziert. Großzügige Raumfolgen, klassische Proportionen und gezielt gesetzte Blickachsen schaffen eine Bühne für das gesellschaftliche Leben – ohne dabei laut zu werden. Die Gestaltung bleibt zurückhaltend, fast selbstverständlich, und lässt den Menschen und den Momenten den Raum.
Ein besonderer Fokus liegt auf der Küche als Herz des Hauses. Der großzügige Esstisch, an dem bis zu 14 Personen Platz finden, wird zum kommunikativen Mittelpunkt. Hier treffen sich Familie und Freunde – nicht selten auch zu gemeinsamen Weinverkostungen. Die Leidenschaft für Wein spiegelt sich in der Materialität und Atmosphäre wider: warm, sinnlich und einladend, ohne jede Inszenierung.
Angrenzend zum Wohnraum öffnet sich die Bibliothek – ein ruhiger, fast introvertierter Ort, der dennoch Teil des Ganzen bleibt. Für den Hausherren ist sie das eigentliche Highlight: ein Raum zum Lesen, Nachdenken und Ausruhen. Die raumhohen Bücherregale, die warme Materialität und die gedämpfte Akustik schaffen eine konzentrierte, beinahe zeitlose Atmosphäre – wie eine stille Szene innerhalb der größeren Inszenierung des Hauses.
Die Schlafräume im ersten Stock sind bewusst ruhiger gehalten – als intime Rückzugsorte mit einer reduzierten, weichen Gestaltung. Textilien, Licht und Proportionen schaffen eine Atmosphäre der Geborgenheit.
Das Dachgeschoss hingegen ist dem familiären Alltag gewidmet – ein offener, entspannter Lebensraum, der Nähe zulässt und gleichzeitig Freiraum bietet.
Was dieses Projekt besonders macht, ist die Art, wie klassische Elemente neu interpretiert werden. Fischgrätparkett, feine Wandgliederungen und großzügige Raumhöhen treffen auf eine reduzierte, zeitgenössische Formensprache. Materialien wie Holz, Stein und textile Oberflächen bringen Wärme und Sinnlichkeit – sie erzählen von Qualität und Beständigkeit.
Wie in einer guten Inszenierung entsteht die Wirkung nicht durch einzelne Elemente, sondern durch das Zusammenspiel: Licht, das Räume weich modelliert, Materialien, die sich zurücknehmen, und eine klare räumliche Dramaturgie.
So wird die Villa zu dem, was gutes Wohnen heute ausmacht: kein Ort der Inszenierung, sondern ein Raum für echte Momente. Eine leise, elegante Interpretation der Wiener Klassik – zeitlos, persönlich und tief verankert im Leben seiner Bewohner


